Nach der Blüte wenden sich die Stiele vom Licht ab
Während sich die Blüte entwickelt, wächst ihr Stiel zum Licht. Nach der Bestäubung und mit Beginn der Samenentwicklung kehrt sich diese Richtung um. Der spätere Fruchtstiel wächst vom Licht weg. So kann die Samenkapsel in einer benachbarten Spalte landen.
Dieser Mechanismus bringt einen Teil der Samen unmittelbar an mögliche Keimplätze. Er erklärt jedoch nicht jede neue Pflanze im Garten: Nur ein Teil der Kapseln erreicht solche Spalten, und Samen können auch auf anderen Wegen weitergetragen werden. Das Zimbelkraut sät sich stark selbst aus und bleibt deshalb nicht unbedingt genau dort, wo es gepflanzt wurde.
Kleine Löwenmäulchen über grünen Blattpolstern
Cymbalaria muralis ist eine mehrjährige, kriechende Staude von etwa 5 bis 10 cm Höhe. Ihre längeren Triebe liegen auf dem Boden oder hängen über Steinkanten und können unterwegs Wurzeln bilden. Kleine, rundliche und gelappte Blätter geben dem grünen Polster eine feine Struktur.
Von Mai bis September erscheinen immer wieder kleine hellviolette Blüten. Ihre Form erinnert an winzige Löwenmäulchen. Die gelbe Zeichnung im Blüteninneren weist bestäubenden Insekten den Weg; auch Bienen besuchen die Blüten. Aus der Nähe wird dieses Farbspiel deutlicher als aus der Entfernung.
Die Art stammt aus Südeuropa und ist in Deutschland eingebürgert. Ihr Vorkommen an alten Mauern passt zu ihrer Fähigkeit, Felsspalten und Fugen zu besiedeln.
Halbschattige Fugen mit etwas Feuchte
Für die Gartenpflanzung eignet sich ein halbschattiger Platz mit durchlässigem, mäßig saurem und eher kalkarmem Boden. Etwas Feuchte in der Fuge kommt dem Zimbelkraut entgegen. Es gilt als trockenheitsverträglich, sollte jedoch nicht für dauerhaft heiße, ausgedörrte Mauerkronen eingeplant werden.
Zwischen Trittsteinen: Grün in den Fugen
An einer niedrigen Mauer können die Triebe über die Kante fallen. Der flache Bewuchs eignet sich auch für Zwischenräume von Trittsteinen. Das Zimbelkraut ist trittverträglich; auf regelmäßig begangenen Wegen sollten dennoch die Steine die eigentliche Gehfläche bilden. Für einen stark beanspruchten Rasenersatz ist damit keine Belastbarkeit zugesichert.
Kleine Gruppen passen zu seinem Wuchs. Für eine flächige Pflanzung sind 8 Pflanzen pro Quadratmeter ein Richtwert. Bei einzelnen Mauerfugen richtet sich die Verteilung dagegen nach den geeigneten Pflanzstellen; der Flächenwert ist kein vorgegebener Abstand zwischen Spalten.
Die Ausbreitung begleiten statt regelmäßig zurückschneiden
Ein regulärer Rückschnitt ist nicht erforderlich. Wichtiger ist die Frage, wo neue Pflanzen willkommen sind. Wenn du klare Grenzen möchtest, entferne unerwünschte Sämlinge, sobald du sie erkennst.
Für die gezielte Vermehrung lassen sich bereits bewurzelte Stängelabschnitte abnehmen und an anderer geeigneter Stelle einsetzen. Damit gewinnst du neue Pflanzen; eine regelmäßige Teilung zur Verjüngung ist daraus nicht abzuleiten.
Bei länger anhaltender Trockenheit lohnt es sich, die Feuchtigkeit an der Pflanzstelle zu prüfen und bei Bedarf zu wässern. Entscheidend ist die tatsächliche Versorgung in der Fuge; ein starrer Gießrhythmus passt dazu nicht.
Häufige Fragen zum Zimbelkraut
Bleibt das Zimbelkraut im Winter grün?
Es kann einen Teil seines Laubs über den Winter behalten. Eine durchgehend grüne Decke ist jedoch nicht verlässlich zugesichert. Wer die Fugen auch im Winter dicht begrünt sehen möchte, sollte deshalb mit einem wechselnden Erscheinungsbild rechnen.
Ist Zimbelkraut vor Schnecken sicher?
Nein, Schnecken können gelegentlich an der Pflanze auftreten. Das bedeutet nicht, dass regelmäßig Schäden zu erwarten sind. Bei Fraßspuren lohnt sich eine Kontrolle; eine vorsorgliche Behandlung lässt sich daraus nicht begründen.
